
Am 22. Januar ist es so weit: Im Jahnsportforum Neubrandenburg dreht sich wieder alles um den Faustkampf. Im Mittelpunkt des Interesses stehen zwei WM-Kämpfe: IBF-Mittelgewichts-Titelträger Sebastian Sylvester steigt gegen Mehdi Bouadla (Frankreich) in den Ring und Steve Cunningham, der IBF-Weltmeister im Cruisergewicht, tritt zur Pflichtverteidigung gegen Enad Licina an. Der Champion aus den USA hat gute Erinnerungen an die Vier-Tore-Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Schließlich eroberte er an gleicher Stelle im Juni letzten Jahres gegen Troy Ross den WM-Titel zurück. Vor seinem Kampf stellte er sich zum Interview.
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Herr Cunningham, im Juni letzten Jahres haben Sie den IBF-Gürtel zurückerobert. Was war das für ein Gefühl?
Steve Cunningham: Das war großartig – schließlich war das unser Ziel, seitdem ich den Titel im Jahr 2008 gegen Tomasz Adamek verloren hatte. Der Kampf gegen Ross schien offen. Am Ende war es ein Segen, den Titel wieder zu haben – ein Gefühl, das wirklich schwer zu beschreiben ist.
Sie gewannen den IBF-Gürtel weit entfernt von Ihrer Heimat. Wie waren die Reaktionen in den USA?
Steve Cunningham: Ich bekam wirklich viele Aufmunterungen. Es gab viele, die mir den Titelgewinn gönnten und die dann froh waren, dass ich es geschafft habe. Viele hätten sich ein Rematch gegen Tomasz Adamek gewünscht, doch der wechselte ins Schwergewicht. Deshalb kam es ja zum Kampf gegen Troy Ross.
Am Ende des Jahres 2010 gab es noch mehr Grund zur Freude…
Steve Cunningham: Ja, richtig, am 14. Dezember haben wir unser drittes Kind, Cruz, bekommen. Unser kleiner Junge war ein weiterer Segen für mich und meine Frau. Wir sind total glücklich und dankbar.
Jetzt geht es in den Ring zurück. Ihr Herausforderer ist Enad Licina, der IBF-Weltranglistenerste. Wie schätzen Sie ihn ein?
Steve Cunningham: Ich glaube, er ist ein guter Kämpfer, den man nicht unterschätzen sollte. Er ist der Pflichtherausforderer. Das heißt, er hat einfach ein gewisses Niveau. Deshalb nehme ich den Kampf auch sehr ernst. Aber ich glaube daran, den Ring als Sieger zu verlassen.
Wo sehen Sie die Stärken Ihres Gegners?
Steve Cunningham: Ich halte Enad Licina für einen beständigen Arbeiter. Er ist ein reeller Herausforderer und es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass er über seinen bisherigen Status nicht hinauskommt und ich Weltmeister bleibe.
Haben Sie seinen letzten Kampf, den WM-Ausscheidungskampf gegen Felix Cora Jr. gesehen?
Steve Cunningham: Ja, Enad Licina tat dabei das, was ich erwartet hatte. Er begann stark und gewann am Ende. Ich fand, das war ein interessanter Kampf. Cora war auch gut, doch Enad war besser.
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Wie haben Sie sich auf Ihre Titelverteidigung vorbereitet?
Steve Cunningham: Ich bin eigentlich immer im Training. Nach den Kämpfen mache ich vielleicht eine Woche Pause, aber dann gehe ich wieder ins Gym. Ich arbeite ständig daran, besser zu werden und achte darauf, mein Kampfgewicht zu halten. Als der Kampftermin dann feststand, brauchte ich die Vorbereitung nur zu intensivieren. Am 9. Januar werden wir in Deutschland eintreffen. Wir haben einen Zeitunterschied von sechs Stunden zwischen Berlin und Philadelphia. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es eine Weile dauert, bis man sich akklimatisiert hat. Ich will einfach sicher sein, dass ich meine Bestleistung bringen kann. Ein guter Schlaf im Vorfeld des Kampfes spielt eine wichtige Rolle. Weil ich weiß, dass ich ein bisschen brauche, bis ich mich an die Zeitumstellung gewöhnt habe, werde ich den Abschluss der Sparringsphase wieder in Deutschland bestreiten.
Der Kampf gegen Licina wird in Neubrandenburg stattfinden. Dort wurden Sie im letzten Jahr wieder Weltmeister. Ein gutes Omen?
Steve Cunningham: Ach, ich bin keine abergläubische Person. Ich kämpfe da, wo ich soll und das Ziel ist es, dort zu gewinnen. Ich glaube an Gott und dass der Glaube und harte Arbeit mir helfen, ein Champion zu sein. Wie auch immer, ich und mein Team haben die Zeit in Neubrandenburg letztes Mal sehr genossen und wir freuen uns, wieder da zu sein.
Nach dem Kampf geht es in die USA zurück. Haben Sie sich vorgenommen, ein paar spezielle Dinge mit aus Deutschland in die Staaten zu bringen?
Steve Cunningham: Ich mag zum Beispiel Comics und natürlich werde ich den Kindern und ein paar anderen Familienmitgliedern ein paar kleine Geschenke mitbringen. Letztes Mal haben wir ein deutsch-englisches Kinderbuch für Steve Jr. und Kennedy gekauft, denn wir möchten eigentlich alle ein bisschen Deutsch lernen.
Foto: W. Springer